19 nov Neues & Trends

Interview mit Gadero Gründer

Lesen Sie hier das ausführliche Interview mit Gadero Gründer Henk Jan Bijmolt in der niederländischen Zeitung „Financieel Dagblad".

Ziemlich viele Menschen haben gute Ideen, aber nicht den Mut, sie auszuführen. Bei mir ist nicht immer alles gleichermaßen durchdacht, aber bei vielen Ideen muss man auch nicht wissen, welche Hindernisse auf einen warten. Einfach machen und dann werden wir sehen".

Unter dem Wellplattendach in der Kantine eines Bürogemeinschaftsgebäudes erläutert Henk Jan Bijmolt (40) seine Vision vom Unternehmen. Gegenüber der kolossalen Lagerhalle seines Unternehmens kann der geborene Groninger dort auf entspannte Weise Besucher empfangen. „Die Lagerhalle ist nicht für Privatpersonen, erwarte also nicht, das alles piekfein ist.“

Bijmolt hebt abwechselnd seine Füße auf die schwarze Picknickbank, um sie nach ein paar Minuten wieder auf den Boden zu stellen, während er dann erst sinnierend und dann wieder dynamisch über sein Bestehen als Unternehmer erzählt. Ab und zu läuft ein Bekannter vorbei, dem er einen kurzen Gruß zuwinkt.

Bijmolt ist nicht einfach so ein Unternehmer. Er hat in seinem Leben bereits viele Unternehmen gegründet. Der größte Teil davon besteht noch: als Teil eines anderen Unternehmens oder als eigenständiges Unternehmen. Ganz nüchtern: „Ich bin schon ein geschäftstüchtiger Typ, ja. Einfach richtig Gas geben.“

Außerdem war er auf die eine oder andere Art noch an der Geburt einer Handvoll anderer Unternehmen beteiligt. Von allen diese Unternehmen gehörten und gehören im letzten und in diesem Jahr vier zu den „FD Gazellen“ (eine von der niederländischen Wirtschaftszeitung „Financieel Dagblad“ vergebene Auszeichnung für die am schnellsten wachsenden, gesunden Unternehmen) darunter das Unternehmen, auf das er sich jetzt hauptsächlich konzentriert: der Online Gartenholzhandel Gadero, der im Jahr 2020 einen Umsatz von 36 Mio. machte.

Jung gewohnt, alt getan

Das Unternehmertum lag Bijmolt schon früh im Blut. Als Junge im Alter von 12 Jahren verkaufte er Gartenpflanzen in der Baumschule seines Vaters in der Borgercompagnie in Ost-Groningen. Wenn der Vater außer Haus war, führte er Kunden herum und verkaufte anschließend Bäume. Hin und wieder versehentlich unter dem Selbstkostenpreis. Ein paar Jahre später, als er siebzehn war, gründete er sein erstes kleines Unternehmen. Jetzt verkauft er neben Gartenholz große künstliche Weihnachtsbäume und sogar Beetpakete.

Dies waren die Anfangstage des massiven Online-Verkehrs. Der Jungunternehmer verdiente sich eine goldene Nase mit einem Unternehmen, das Websites für Dritte erstellte. „Ich war fasziniert vom Internet. Dass man aus seiner kleinen Mansarde die ganze Welt erreichen konnte.“ Er bezeichnet dies als eine lehrreiche Zeit. „Zunächst war alles sehr beschränkt, aber ich habe damals durchaus meine ersten Lektionen gelernt. Wie man beispielsweise eine Rechnung verschickt und ein Gespräch mit einem Kunden führt."

In den Jahren danach folgten noch mehr Unternehmen, die (auch) in Bijmolts Kopf entstanden. Darunter eine Werbeagentur, eine Kunstsuchmaschine und der Kochwebshop Cookinglife.

Im Gespräch wird deutlich, wie Bijmolt früher lernen musste, sich zurückzuhalten, anstatt sein Bestes zu tun, um etwas in Angriff zu nehmen. Sein Tatendrang scheint mittlerweile jedoch leicht gezügelt. „Seit ich vor ungefähr zehn Jahren das Werbenetzwerk Cleafs verkauft und Cookinglife an meinen Geschäftspartner übertragen habe, konzentriere ich mich vollständig auf Gadero. Obwohl ich überrascht bin, dass ich mich bereits so lange auf etwas fokussieren kann, bemerkt der Groninger verschmitzt. Und fügte dies hinzu: „Heimlich habe ich allerdings noch ein paar neue Projekte nebenher. Es gibt noch ein paar Investitionen. Aber ich wirke dabei nicht aktiv mit.“

Einfach probieren, so lautet sein Motto.

Und niemals Angst gehabt, dass etwas schiefgehen könnte? „Ich habe keine Versagensängste und finde es gerade prima, wenn es jemand anderem nicht gefällt. Das schönste ist, wenn andere an etwas nicht glauben und dann schauen, ob es doch gelingt. Ich bin zum Beispiel jetzt bei Gadero mit einer Idee beschäftigt, und habe zuvor andere darum gebeten, zu sagen, dass es ihnen überhaupt nicht gefällt. Das finde ich eine schöne Motivation.“

Bijmolt sieht sich eher als Unternehmer als Manager. „Wenn ich mir Unternehmer aus meinem Umfeld anschaue, scheinen sie mir schon ein Stück vielseitiger. Ich habe zum Beispiel überhaupt kein Interesse an Finanzen. Ich weiß sehr wohl, wie hoch der Umsatz ist und die Gewinne sind und im Großen und Ganzen kenne ich die Kosten, aber alle diese englischen Begriffe und diese Art von Dingen interessieren mich nicht.“

Er hat darum kürzlich innerhalb seines eigenen Unternehmens etwas getan, dass er selbst einen „Schritt beiseite“ nennt. Ein Kollege fungiert jetzt als Geschäftsführer. Nüchtern: „Jemand muss den Titel Geschäftsführer haben. Aber gut, das finden wir hier nicht so interessant. Es geht vor allem darum, dass ich mich mehr mit neuen Geschäften befassen kann.“

Ist das der große Unterschied zu anderen Unternehmern, dass er gern neue Dinge ausprobieren möchte, während andere eher managen und deswegen ein Unternehmen wachsen lassen? Bijmolt: „Ich denke schon, dass das häufig den Unterschied ausmacht. Ich habe zum Beispiel keine Probleme damit, Menschen anzunehmen, die intelligenter sind als ich und die Dinge besser können. Und ich habe keine Lust, abtrünnige Mitarbeiter wieder einzufangen.

Jetzt, wo Bijmolt sich weniger auf das Managen konzentrieren muss, hat er also mehr Zeit für das, was er das „echte Unternehmen“ nennt. Beispielsweise die Erweiterung von Gadero nach Dänemark. Oder nachhaltige Holzarten aussuchen und vermarkten. „Thermische Esche ist mein Steckenpferd.“ Und hin und wieder einen Blogpost für die eigene Site schreiben, denn das tut der Hansdampf in allen Gassen auch gelegentlich.

Echter Groninger

Nach all den Jahren in Groningen gearbeitet zu haben noch nie das Verlangen gehabt, in das Ballungsgebiet Randstad (im Westen der Niederlande) zu gehen und dort ein Unternehmen zu gründen? „Da zieht mich nichts hin. Ich finde es hier sehr schön. Noch mehr Trubel spricht mich nicht an. Und ich finde die Menschen dort manchmal schon sehr wichtigtuerisch. Das bemerke ich bereits in unserem Showroom in Breukelen. Da gefällt mir das bodenständige Verhalten hier doch besser.

Es gibt allerdings auch etwas zu lernen“, so der Groninger. „Unsere Mentalität ist allerdings manchmal etwas zu nüchtern und wir könnten besser etwas mehr zeigen, wer wir sind. Zum Beispiel empfinden wir eine bestimmte Investition in eine Software als eine zu große Ausgabe und sehen, dass ein Unternehmen im Westen des Landes es sehr wohl tut. Dann sind wir einfach zu konservativ.“